Stimme ist Macht

Die Stimme ist mehr als nur ein Übermittler von Ideen und Gedanken – sie hat Macht, aber über was?

Wir unterschätzen eines der natürlichsten und menschlichsten Dinge an uns: unsere Stimme.

Unsere Stimme ist weit mehr als ein Mittel, Gedanken und Ideen auszutauschen, wird jedoch meist auf genau das reduziert – dabei ist sie so viel mehr.

Die Stimme wirkt auf drei Ebenen: der linguistischen, der paralinguistischen und der extralinguistischen Ebene. Die linguistische Ebene beinhaltet Betonungen, durch die wir die Wichtigkeit der Aussage verdeutlichen, und Tonhöhenveränderungen, durch die unsere Absichten besser verstanden werden. Die paralinguistische Ebene schafft die Beziehung unter den Gesprächspartnern, kommt also der Beziehungsebene der Kommunikation gleich. Und letztens, die extralinguistische Ebene, was grundsätzlich die Art der Sprechweise ist, ob sie nun stottern, im Dialekt reden oder eine einschläfernde Stimme haben – die persönliche Stimmeigenschaft jedes Menschens. [1]

Durch die visuellen Medien hat der Mensch angefangen, mehr auf das Äußere zu achten und sich dadurch ein Bild für die gegenüberstehende Person zu bilden, anstatt auf deren Stimme zu hören.[2] Dabei ist die Stimme etwas sehr Intimes und gibt vieles von einem Preis:

„Das Alter, das Geschlecht, der Bildungsgrad, die regionale und die soziale Herkunft, der gesundheitliche sowie der momentane emotionale Zustand können sehr zuverlässig aus dem Stimmklang und der Sprechweise eines Menschen entnommen werden.“ [3]

Wenn wir eine Person wahrnehmen, ist bis zu 38% dieser Wahrnehmung deren Stimme. Die Schnelligkeit mit der man spricht, die Tonhöhe, der Rhythmus. All das sind wahnsinnig wichtige Faktoren.

Indem man langsamer bzw. schneller spricht, kann man Spannung aufbauen, den Zuhörenden fesseln. Schnell gesprochene Erklärung. Pause. Langsam gesprochenes Statement. Pause. Die Wirkung ist immens.

Indem man immer einen bestimmten Rhythmus in der Stimme hat, bestenfalls mit den passenden Gesten unterstrichen, kann es eine hypnotische Wirkung auf die Zuhörer haben.

Als Beispiel dazu nehme ich Barack Obama. Er hat eine sehr rhythmische Stimme, und benutzt sie geschickt um die Menge zu „hypnotisieren“. Er baut eine Stimmung auf, und dadurch dass seine Stimme so stark und mächtig klingt – fühlen sich die Zuhörer stark und mächtig. Als ob sie ein Teil von dem wären, was Obama ihnen mit seiner Stimme vorspielt.

Und dann noch die Tonlage der Stimme. Frauen haben evolutionsbedingt eine höhere Stimmlage als Männer, doch umso höher die Tonhöhe, umso negativer wirkt dies. Als Beispiel nehme ich hier Margaret Thatcher, ehemalige Premierministerin Großbritanniens. Am Anfang ihrer Karriere war ihre Stimme noch um einiges höher als in den späteren Jahren, denn sie lernte, dass sobald die Stimme tiefer klingt, man als kompetenter und durchsetzungsfähiger wahrgenommen wird. [4]

Und dann der letzte Aspekt an der Stimme. Sie verrät uns. Egal welche Emotion wir fühlen, es ist kaum möglich sein Gefühl nicht nicht in der Stimme deutlich zu machen.

„Emotionen wie Ärger, Freude oder Furcht werden durch subtile Vorgänge in den Kehlkopfmuskeln für andere hörbar.“ [5]

Ein Beispiel dafür, wie eng verbunden die Stimme mit den Emotionen des Menschen ist, ist Aphonie: wenn eine Person ohne irgendeinen physiologische Ursache die Stimme versagt und sie kein Wort hervorbringt – das „nur“ durch ein traumatisches Erlebnis ausgelöst. [3]

Kurz gesagt, durch die Stimme stellt man sich selbst dar, seine Gefühle und Emotionen, sein Alter oder die Herkunft, was wir aus dem äußerlichen Erscheinungsbild nicht (unbedingt) herauslesen können. In der Antike, zum Beispiel in den Rednerschulen des Cicero lehrte man Übungen der Stimmgebung – die Stimmtätigkeit wurde einem beigebracht bzw. erklärt. [1]

Wir sollten uns an den Römern ein Vorbild nehmen und unser Augenmerk auch wieder auf die Stimme zurücklenken. Auf ihre Funktion als Übermittler von Emotionen, persönlichen Daten. Auf ihre Macht über andere sowie über uns selbst.

Quellen:

[1] Bentele, Günter; Piwinger, Manfred; Schönborn, Gregor (Hrsg.) (2001): Kommunikationsmanagment.

In:http://www.piwinger.de/aktuell/FunktionDerStimeInDerKommunikation.html (14.11.15)

[2] Sendlmeier, Walter: Die psychologische Wirkung von Stimme und Sprechweise. Geschlecht, Alter, Persönlichkeit, Emotion und audiovisuelle Interaktion.

In:http://www.kw.tu-berlin.de/fileadmin/a01311100/Studiengaenge/2012_Resonanz-Raeume_W_Sendlmeier.pdf (14.11.15)

[3] Lehmann, Ischta (2014): Was die Stimme den anderen über uns verrät.

In:http://www.welt.de/icon/article127542040/Was-die-Stimme-den-anderen-ueber-uns-verraet.html (Zitat, aphonie (14.11.15)

[4] Body Language Secrets – National Geographic Discovery Channel

In: https://www.youtube.com/watch?v=IM64bHPepNI (14.11.15)

[5] Wüstenhagen, Claudia (2013): Der Klang der Seele. Die Stimme ist verräterisch. Sie lässt Launen und Charakterzüge erkennen und gibt sogar Hinweise auf Krankheiten. In: ZEIT Wissen Nr. 5/2013.

In:http://www.zeit.de/zeit-wissen/2013/05/stimme-charakter-launen-krankheiten (14.11.15)

Bild:

http://www.perspektiven-magazin.de/wissenschaft/wenn-die-stimme-versagt/

Geschrieben von Réka Berger

Advertisements