Interkulturelle Kommunikation

VORSICHT FALLE! So einfach werden Gesten zum Verhängnis

Urlaub in einem fremden Land, andere Kultur, andere Sprache. Alles schön und gut. Doch  kann es schnell mal passieren, dass man wortwörtlich am Ende mit seinem Latein ist. Wobei man mit Latein doch eh nie wirklich weit kommt. Schließlich ist diese doch „Die ausgestorbene Sprache“ schlichthin. Wenn man jedoch auch am Ende mit seinem Russisch, Englisch, Spanisch, Französisch und Chinesisch ist, sich dabei nicht im deutschsprachigen Raum befindet und auch nicht zufällig mit einem Dolmetscher Bekanntschaft macht, ist guter Rat teuer. Sich ein Wörterbuch zulegen ist auf alle Fälle eine Option, doch entspricht dem natürlichen Instinkt des typischen Touristen vielmehr, sich mit Händen und Füßen „durch zu kommunizieren“. Im besten Fall hat diese/r großes Glück und die Einheimischen sind bereits an deutsche Urlauber gewöhnt, in den meisten Fällen tappt er/sie allerdings in ein riesiges Fettnäpfchen. Im schlimmsten Fall, kann sogar ein strafrechtliches Verfahren drohen.

geballte Faust

Geballte Faust, Daumen nach oben gestreckt – einheitliches Symbol für „Alles klar!“ oder „Gefällt mir!“. Immerhin kennen wir dieses Symbol von Facebook nur zu gut. Doch aufgepasst! In Australien, im Iran, im mittleren Osten, in Russland, wie auch in Teilgebieten Afrikas stellt dies eine äußerst obszöne Geste dar und bedeutet so viel wie „Verpiss dich!“.Ok- Zeichen

Auch die hierzulande typische „Ok“ oder „Spitze“ Geste, bei er sich die Fingerspitzen von Daumen und Zeigefinger berühren und so einen Kreis formen, ist nicht überall gern gesehen. Belgier meinen damit „Null“, Japaner das Geld. Italiener drücken aus: „Hä? Wovon sprichst du?“.
Der Handrücken muss dabei allerdings nach unten gedreht sein. In vielen anderen Ländern (…) ist es jedoch eine Beleidigung und steht für Anus, umgangssprachlich „Du Arschloch!“

RockerGeläufig mag es zwar für Anhänger der Rocker Szene sein, doch auch bei dieser Geste ist Obacht geboten. Zeigt man einem Italiener oder Spanier dieses Symbol (italienisch: „mano cornuta“), so teilt man ihm mit, dass man mit seiner Frau geschlafen hat. Wie das ausarten kann darf man sich, im Anbetracht des südländischen Temperaments, gerne bildlich vorstellen. Ganz andersrum läuft es in Argentinien. Dort symbolisiert diese Geste nämlich „Schutz vor Unheil“.

Finger gekreuztWer, die Finger überkreuzt und dabei „Viel Glück“ wünscht wird bei uns teilweise schräg angeschaut oder bekommt ein: „Das kannst du dir sparen!“ zu hören. So steht es doch für eine vorsätzliche Lüge oder Viel GlückVerneinung des Gesagten bzw. Versprochenen. In Kanada, Brasilien und auch in England bedeutet das „fingers crossed“ indes tatsächlich viel Glück. Vergleichbar ist die Geste mit einer geballten Faust für „ich drück dir die Daumen“. Auch damit aber vorsichtig sein! In anderen Ländern kann das Symbol schnell mal aggressiv wirken.

 

Peace ZeichenAuch Politiker werden Opfer heikler Gesten. So Georg Bush Senior im Jahre 1992, als er das „Victory-“ oder auch „Peacezeichen“ bei einem Staatsbesuch in Australien als Ausdruck seiner Freude über die Gastfreundschaft gebrauchte.  Leider bekamen die versammelten Farmer seinen Handrücken zu Gesicht und waren empört. Diese Geste wird dort, wie auch in Irland und Großbritannien, nämlich als doppelter Stinkefinger gedeutet.

Linke und rechte Hand sind bei uns mindestens so gleichberechtigt, wie Männer und Frauen es sein sollten. Ganz anders in Indien. Dort wird die linke Hand als unrein angesehen und, wenn überhaupt, bloß beim Toilettengang eingesetzt.  Weiterreichen von Speisen oder jemanden mit dieser Hand berühren ist tabu. Wäre wohl besser gewesen ich hätte Bilder von meiner rechten Hand geschossen.

Vielleicht sollten wir uns mal überlegen, neben Fremdsprachen fremde Gestikulierarten zu erlernen. Praktisch zu können wäre dies ohne Zweifel. Doch simple darf man sich das auf keinen Fall vorstellen. Denn Gesten gibt es ohne Ende. Und dann ist da ja auch noch die Mimik. Nicht zu vergessen – Körpersprache hält sich an keine Landesgrenzen. Heute, wo immer mehr Menschen um die Welt reisen, oder es auch im eigenen Land immer mehr Immigranten und Interkulturalität gibt, ist es jedoch allemal wichtig zu wissen, dass nicht überall Körpersprache gleich Körpersprache ist. Kultur, ethnische Zugehörigkeit, Lebensweise und noch viel mehr beeinflussen, die individuelle Ausdrucksweise. Toleranz und ein wenig Humorverständnis von beiden Seiten sollte jedoch die meisten peinlichen Miseren vergessen lassen und ein Schmunzeln auf das eine oder andere Gesicht zaubern.

Geschrieben von Johanna Meßner

Bilder von Johanna Meßner

 

Quellen zum Nachlesen:

URL: http://karrierebibel.de/handzeichen-gesten-ausland/ (Zugriff: 17.11.2015)

URL: http://web.de/magazine/reise/gesten-bedeutungen-verschiedenen-laendern-30593068 (Zugriff: 17.11.2015)

URL: http://www.sueddeutsche.de/reise/reise-knigge-indien-ruelpsen-erwuenscht-schnaeuzen-unmoeglich-1.588284 (Zugriff: 17.11.2015)

URL: http://wirtschaftsblatt.at/home/life/karriere/1152841/index (Zugriff: 17.11.2015)

 

Advertisements

Blickverhalten

Genieße den Augenblick! Aber was haben die verschiedenen Augenkontakte wirklich zu sagen? Es ist nicht egal wie man schaut. Sogar schon kleine Veränderungen am Blick können gleich völlig verschieden oder auch falsch ankommen.

Hier wird euch ein Einblick in sechs verschiedene Augenblicke geboten;

 

  1. Der Blick von oben

Blick nach oben

Bei den meisten Blickkontakten nimmt die Kopfstellung eine erhebliche Rolle ein. Bei dem Blick von oben nimmt durch die überhöhte Stellung des Kopfs, das Kinn eine aggressiv wirkende Stellung ein. Es wirkt so, als schaue man auf den anderen von oben herab und erhöht sich dadurch selbst, macht sich wichtiger und den Anderen unwichtiger. Der Blick von oben kann ein hohes Maß an Kontrolle und Macht ausüben.

 

  1. Der gesenkte Blick

gesenkte Blick

Diese Blickart steht für Unterwürfigkeit, Untergebenheit oder auch Schuldeingeständniss. Früher war es den Untergebenen untersagt, dem Kaiser oder dem Machthaber anzuschauen, da man es nicht würdig war. Der gesenkte Blick ist ein Zeichen für Tiefstatus.

 

  1. Der Blick von unten

Blick von unten 

Hier spielt die gesenkte Kopfhaltung eine wichtige Rolle, da man trotz ‚hanging-head’ den Blickkontakt aufrecht erhält. Man kommuniziert auch Schwäche oder Unterwerfung.

 

  1. Der Blick von der Seite

 Blick von Seite 1Blick von Seite 2

 Dieser Blickkontakt lässt sich nicht eindeutig einordnen. Man kann darunter einen schmeichelnden Blick erkennen aber sich andererseits auch in die Zuhörer Position versetzen, da man dem Anderen ein ‚Ohr leiht’.

 

  1. Der Blick nach Innen / ‚Narrenkastl’

Blick nach innnen

Obwohl der Gesprächspartner einen anschaut, schaut er bestimmt nirgends hin, sondern eher mit seiner seelischen Vorstellung oder Tagtraum verwickelt. Das sogenannte Narrenkastl kann sehr lange dauern und in eine Art Trance versetzen.

Andererseits kann er aber auch sehr kurz sein, wenn ein Redner/Rednerin kurz nach innen abschweift, also würde er/sie etwas aus der Gedankenwelt ablesen.

 

  1. Der direkte Blick

der direkte Blick

Der direkte Blick schafft Präsenz und zeigt Höflichkeit. Die Aufmerksamkeit beim Zuhörer ist maximal wenn ich dem Blickkontakt zugewandt bin. Zudem zeigt man durch den direkten Blick Interesse.

Fester Blickkontakt kann auch übertrieben werden und dadurch drohend oder manipulierend werden.

Es kommt immer auf die Länge und Intensität des Blickkontaktes an. Ein gesunder Blickkontakt hat bis zu einem Lidschlag die Dauer von höchstens 2 Sekunden. Dauern diese länger, signalisieren sie Spannung.

 

Geschrieben von Marlene Lackner

Bildquelle: http://augenklinik.uniklinikum-leipzig.de/Foto-Internet/wiefoto.html