LIE TO ME – LÜGEN UND KÖRPERSPRACHE

Nur eine winzig kleine Lüge, um einer brenzligen Situation zu entkommen. Oder vielleicht zwei. Mit den richtigen Worten und ohne einen Kopf wie eine Tomate zu bekommen, wird man‘s schon glauben – oder etwa nicht?

Das Lügen gehört zu unserem Alltag wie fast kein anderes Phänomen und ist dennoch eines der undurchsichtigsten. Forscher streiten seit Jahren, wie oft man pro Tag lügt, eine festgelegte Zahl gibt es keine. Der Satz des Uni-Professors Jochen Mecke von der Universität Regensburg „Jeder Mensch lügt etwa 200 Mal am Tag“ kursierte vor einigen Jahren in mehreren Zeitungen. Dieser bestreitet aber, das so gesagt zu haben und verweist auf den Psychologen Helmut Lukesch, der wiederum den US-amerikanischen Psychologen John Frazier als denjenigen angibt, von dem die Zahl 200 stammt.[1]
Andere Forscher/innen kommen jedoch zu einer viel geringeren Zahl. So ließ die amerikanische Psychologin Bella DePaulo 147 Versuchspersonen Tagebuch über die Unwahrheiten schreiben. Fazit: Durchschnittlich zwei Lügen pro Tag. Ein weiteres Experiment mit Studenten wies wiederum eine Lügenquote von 2,9 bei einem gerade einmal zehnminütigen Gespräch auf.[2]

Etwas mehr einig ist man sich aber hinsichtlich der Tatsache, wie man Lügen erkennt. „Es sind nicht die Wort, es sind die Gesten, die den Lügner entlarven.“[3]

Wir schreiben das Jahr 1998. Bill Clinton muss sich als erstes US-amerikanisches Staatsoberhaupt vor der Grand Jury verantworten. Ihm wird eine Affäre mit der jungen Praktikantin Monica Lewinsky vorgeworfen. „Clinton windet sich recht geschickt heraus, weicht auf formal juristische Pseudo-Antworten aus. Zugeben will er nichts. Psychiater, die seine Körpersprache analysieren, machen Clintons Gesten misstrauisch. 26 Mal fasst der Befragte sich an die Nase, als Staatsanwälte ihn fragen, ob er Sex mit Monica Lewinsky hatte.“[4]

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  1. Januar 1998: Bill Clinton bestreitet, sexuelle Beziehungen mit Monica Lewinsky gehabt zu haben[5]

Das An-die-Nase-fassen ist mittlerweile allseits bekannt; es gibt aber eine Reihe weiterer körpersprachlicher Indizien, die auf eine Lüge hindeuten. So meint der ehemalige FBI-Agent Joe Navarro, der über zwei Jahrzehnte Verbrecher anhand ihrer Körpersprache enttarnte, dass unser ehrlichstes Körperteil die Füße seien. Diese Theorie lässt sich in der Praxis bestätigen. Warum wohl stehen Politiker gerne hinter einem Pult und verdecken damit ihre Füße? Nervöses Trippeln während des Abgebens der Wahlversprechen würde doch unglaubwürdig wirken, oder?[6]

Auch das Blickverhalten wird als wichtiger Faktor zum Aufdecken von Lügen verwendet. Vermeidet das Gegenüber beispielsweise Blickkontakt oder blinzelt häufig, sind dies Anzeichen dafür, dass die Person versucht, etwas zu verbergen. Weitere Indizien wären häufige Kratzbewegungen an den Armen und im Gesicht, übermäßiges Befeuchten der Lippen, übertriebene Mimik, also zum Beispiel starkes Runzeln der Stirn oder ein nicht zur Situation passendes Lächeln, und zu guter Letzt ein rot anlaufendes Gesicht.[7]

Es sei jedoch gesagt, dass die genannten Merkmale Anzeichen für eine Lüge sein können, aber nicht zwingend sind. Für nonverbale „Lügensymptome“ existieren nämlich unterschiedliche Erklärungsansätze; einerseits gibt es den „Erregungsansatz“, wobei angenommen wird, dass bei einer Lüge körperliche Reaktionen zunehmen (es kommt also zu den oben genannten Verhaltensweisen); andererseits gibt es den „Kontrollansatz“; hier wird angenommen, dass Lügner versuchen, nonverbale Verhaltensweisen zu unterdrücken, um eben gerade nicht als Lügner entlarvt zu werden.[8]

Welcher Ansatz nun der wahre ist, lässt sich nicht beantworten. Wie sich eine Person verhält, während sie lügt, hängt stark von der Persönlichkeit der Person selbst ab. Wichtiger als die Frage  „Lügt er/sie oder nicht?“ beantworten zu können, ist jedoch, sich bewusst zu werden, dass alle, die behaupten, zu 100% feststellen zu können, ob jemand ein Lügner ist, wohl selbst nur Lügner sind.

Anbei einige Zitate zum Thema Lügen:

„Lügen können Kriege in Bewegung setzen, Wahrheiten hingegen können ganze Armeen aufhalten.“
Otto von Bismarck

„Wer dir sagt, er hätte noch nie gelogen, dem traue nicht, mein Sohn!“
Wilhelm Busch

„Der beste Lügner ist der, der mit den wenigsten Lügen am längsten auskommt.“
Samuel Butler

„Es gibt eben so wenig hundertprozentige Wahrheit wie hundertprozentigen Alkohol.“
Sigmund Freud

„Keines Menschen Gedächtnis ist so gut, daß er ständig erfolgreich lügen könnte.“
Abraham Lincoln

Alle genannten Zitate und weitere finden sich unter: http://www.memory-palace.de/2014/12/luegen-zitate-und-sprueche/

[1] Drösser, Christoph (2011): Verlogene Gesellschaft. URL: http://www.zeit.de/2011/16/Stimmts-Luegen (12.11.2015)

[2] Zittlau, Jörg: Die ganze Wahrheit über das Lügen. URL: http://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article106292192/Die-ganze-Wahrheit-ueber-das-Luegen.html (12.11.2015)

[3] Brzoska, Ina (2012): Lügen haben lange Nasen. Gesicht und Gesten verraten alles. URL: http://www.n-tv.de/wissen/Gesicht-und-Gesten-verraten-alles-article7262441.html (12.11.2015)

[4] Brzoska, Ina: a.a.O

[5] Brzoska, Ina: a.a.O

[6] Vgl. Brzoska, Ina: a.a.O

[7] Vgl. L., Dennis (2012): Lügner entlarven. Anhand der Körpersprache Lügen erkennen. URL: http://www.forschung-und-wissen.de/magazin/mensch-gesellschaft/anhand-der-koerpersprache-luegen-erkennen-13371694 (12.11.2015)

[8] Ludewig, Revital/Tavor, Daphna/Baumer, Sonja: Zwischen Wahrheit und Lüge, in: Justice – Justiz – Giustizia (2012/2), S.7

Geschrieben von Laura Graf

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